Der Fachkräftemangel bleibt. Hotel-Betriebsmodelle müssen sich ändern.

Der Schweizer Hotelmarkt entwickelt sich gut, doch eine starke Nachfrage bedeutet nicht automatisch eine starke Profitabilität.
Steigende Personalkosten, höhere Betriebsausgaben und ein anhaltender Fachkräftemangel setzen Hotelbetreiber weiterhin unter Druck.
Deshalb ist eine aktuelle Aussage von Andrea Jörger, Managing Partner Schweiz bei Horwath HTL, besonders relevant.
Seine Einschätzung ist eindeutig: Der Fachkräftemangel ist gekommen, um zu bleiben.
Wenn das zutrifft, können Hotels das Problem nicht einfach durch intensivere Rekrutierung lösen. Sie müssen auch überdenken, wie sie arbeiten.
Das ist nicht nur ein Personalproblem
Jörger argumentiert, dass Hotels schlankere Abläufe und konsequentere Betriebsstrukturen brauchen.
Er nennt konkret standardisierbare Prozesse entlang der Customer Journey, im Revenue Management und im Backoffice als Bereiche, in denen Digitalisierung und KI Mitarbeitende entlasten und Entscheidungen verbessern können.
Das bedeutet nicht, die Gastfreundschaft aus den Hotels zu entfernen.
Ganz im Gegenteil.
Wie Jörger es formuliert:
„Gastfreundschaft lässt sich nicht digitalisieren.“
Aber viele der Prozesse rundherum lassen sich digitalisieren.
Reservierungen, wiederkehrende Gästekommunikation, Check-in-Prozesse, Zahlungen, Preisgestaltung, Vertrieb und administrative Aufgaben erfordern zunehmend keine physische Präsenz mehr vor Ort.
Die eigentliche Chance liegt daher nicht darin, Menschen zu ersetzen, sondern sie dort einzusetzen, wo sie den grössten Mehrwert schaffen.
Prozesse standardisieren. Gastfreundschaft menschlich halten.
Das könnte eine der wichtigsten Unterscheidungen für Hotelbetreiber heute sein.
Die Zeit eines Hotelmitarbeitenden ist zu wertvoll, um sie mit sich wiederholenden Aufgaben zu verbringen, die sich strukturieren, automatisieren oder anderswo effizienter erledigen lassen.
Gleichzeitig ist Technologie allein nicht die Antwort. Mehr Systeme hinzuzufügen, ohne Prozesse zu vereinfachen, kann noch mehr Komplexität schaffen.
Das Ziel sollte ein schlankeres Betriebsmodell sein: weniger manuelle Schritte, klarere Prozesse, bessere Nutzung von Daten und mehr Zeit für echte Gästeinteraktion.
Wenn Fachkräfte weiterhin knapp bleiben, lautet die Frage für Hotels nicht mehr nur:
Wie finden wir mehr Personal?
Sondern auch:
Welche Aufgaben erfordern überhaupt Personal vor Ort?
Hotels, die diese Frage gut beantworten, sind besser aufgestellt, um sowohl den Personaldruck als auch die Profitabilität zu managen.
Denn die Zukunft der Gastfreundschaft besteht nicht darin, Menschen zu ersetzen.
Sie besteht darin, sie viel besser einzusetzen.
Quelle: Horwath HTL, «Erfolgsmodell Schweiz – Zwischen Boom und Herausforderungen», Juli 2026, veröffentlicht auf Hotel Inside.
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